Depot-Ladeinfrastruktur für Flotten planen
Depot-Ladeinfrastruktur planen heißt nicht, Wallboxen auszusuchen. Es heißt, die gleichzeitige Ladeleistung so auszulegen, dass morgens jedes Fahrzeug voll ist – ohne dass Sie dafür den Netzanschluss ausbauen müssen. Der Hebel dafür sind Lastmanagement und ein Batteriespeicher. Sie entscheiden über 50.000 Euro Netzausbau – oder keinen.
Was ist Depot-Ladeinfrastruktur?
Depot-Ladeinfrastruktur ist die feste Ladeanlage auf Ihrem eigenen Betriebshof, an der Ihr Fuhrpark planmäßig lädt – meist über Nacht, wenn die Fahrzeuge ohnehin stehen. Sie besteht aus vier Teilen: den Ladepunkten, dem Netzanschluss, einem Lastmanagement und – im rentablen Fall – aus eigener PV-Anlage und Batteriespeicher. Das ist der Unterschied zwischen „wir laden irgendwo öffentlich" und „wir tanken zuhause aus eigener Quelle".
Warum ist der Netzanschluss der eigentliche Engpass – und nicht die Wallbox?
Weil die Wallboxen billig sind und der Strom dahinter knapp ist. Die Ladepunkte selbst kosten wenig. Teuer wird die gleichzeitige Leistung, die nachts durch den Anschluss muss.
Hier liegt die Falle in der Norm. Nach DIN VDE 0100-722 müssen Sie die Anlage so auslegen, als würden alle Ladepunkte gleichzeitig mit voller Leistung laden – der Gleichzeitigkeitsfaktor ist normativ 1. Erst wenn eine Laststeuerung (Lastmanagement) vorhanden ist, darf dieser Faktor reduziert werden. In der Praxis liegt der reale Gleichzeitigkeitsfaktor weit darunter: In einem Tiefgaragen-Projekt mit knapp 60 Elektroautos lag er bei 0,22. [Quelle: DIN VDE 0100-722, Lastmanagement (Ladestation)]
Ohne Lastmanagement bauen Sie also einen Netzanschluss für eine Lastspitze, die nie eintritt – und zahlen für jede überflüssige Kilowatt. Mit Lastmanagement laden Sie dieselbe Flotte mit einem Bruchteil der Anschlussleistung.
Was kostet es, wenn der Netzanschluss erweitert werden muss?
Den Baukostenzuschuss – eine einmalige Zahlung an den Netzbetreiber für den Netzausbau. Und der hängt direkt an Ihrer angeforderten Leistung.
In der Niederspannung darf der Netzbetreiber einen Baukostenzuschuss (BKZ) nur für den Leistungsanteil über 30 kW erheben. [Quelle: Bundesnetzagentur] Jede Kilowatt Spitzenlast, die Sie durch Lastmanagement und Speicher vermeiden, senkt also direkt diese Rechnung – und obendrein den laufenden Leistungspreis. Genau das ist der Grund, warum die Auslegung wichtiger ist als die Wallbox-Auswahl.
Wie groß muss der Netzanschluss für meine Flottengröße sein?
Das hängt davon ab, ob Sie roh auslegen oder intelligent. Die folgende Tabelle zeigt drei typische Flottengrößen – jeweils, was Sie ohne und mit Lastmanagement plus Speicher an Anschlussleistung wirklich brauchen.
Annahme: E-Transporter mit je ~11 kW AC-Ladung über Nacht, ~50 kWh Nachladebedarf je Fahrzeug. Werte gerundet, zur Orientierung – Ihr realer Fall hängt von Routen, Standzeiten und Fahrzeugtyp ab.
| Flotte | Bedarf pro Nacht | Roh ausgelegt (Faktor 1) | Mit Lastmanagement + Speicher | Was Sie sparen |
|---|---|---|---|---|
| 5 Fahrzeuge | ~250 kWh | ~55 kW Anschluss | ~22 kW Anschluss | BKZ-relevanter Anteil entfällt fast komplett |
| 15 Fahrzeuge | ~750 kWh | ~165 kW Anschluss | ~45 kW Anschluss | Netzausbau meist vermeidbar |
| 40 Fahrzeuge | ~2.000 kWh | ~440 kW Anschluss | ~90–120 kW Anschluss | Mittel- statt Niederspannung umgangen |
Orientierungswerte, Stand Juni 2026. „Roh ausgelegt" = Gleichzeitigkeitsfaktor 1 nach DIN VDE 0100-722. „Mit Lastmanagement + Speicher" = Ladevorgänge über die ganze Nacht gestreckt, Lastspitzen durch Speicher gepuffert. Die konkreten Werte ermitteln wir in der Rentabilitäts-Analyse für Ihren Hof.
Die Logik ist immer dieselbe: Statt 440 kW gleichzeitig brauchen 40 Fahrzeuge, die über acht Stunden geladen werden, nur einen Bruchteil – und der Speicher fängt die letzten Spitzen ab. So bleiben Sie in der Niederspannung, statt einen Mittelspannungs-Anschluss für sechsstellige Beträge zu bauen.
Wie umgehen Sie den Netzausbau mit einem Batteriespeicher?
Indem der Speicher die Leistung liefert, die der Netzanschluss nicht liefern muss. Er füllt sich tagsüber mit Ihrem eigenen Solarstrom und mit günstigem Netzstrom in Schwachlastzeiten – und gibt nachts die geballte Leistung an die Flotte ab. Der Speicher arbeitet wie ein eigener Tanker auf dem Hof: Er entkoppelt den Moment, in dem Strom günstig oder selbst erzeugt ist, vom Moment, in dem die Fahrzeuge ihn brauchen.
Das Ergebnis: Sie laden eine große Flotte über einen kleinen Netzanschluss. Den Netzausbau, der ohne Speicher fällig wäre, sparen Sie sich – und die Lastspitze, an der der Baukostenzuschuss hängt, drücken Sie nach unten.
Fischer Stromwerk baut genau diese Kombination – und setzt sie gerade selbst um: zur eigenen PV-Anlage auf dem eigenen Hof in Delbrück (OWL) entsteht derzeit das ELMI-Speicher- und Ladesystem. Was wir bei Ihnen planen, bauen wir gerade selbst auf.
Was kostet ein gefahrener Kilometer – Diesel vs. eigener Solarstrom?
Hier wird aus der Technik Geld. Die Beispielrechnung (Stand Juni 2026):
| Energiequelle | Verbrauch / 100 km | Preis | Kosten / 100 km |
|---|---|---|---|
| Diesel-Transporter | ~9 L | ~1,86 €/L | ~16,75 € |
| E-Transporter, Gewerbestrom | ~25 kWh | ~0,30 €/kWh | ~7,50 € |
| E-Transporter, eigener Solarstrom | ~25 kWh | ~0,10 €/kWh | ~2,50 € |
Beispielrechnung, Stand Juni 2026. Diesel-Durchschnitt Juni 2026 rund 1,86 €/L [Quelle: ADAC Spritpreise]. PV-Stromgestehungskosten kleiner Dachanlagen 6,4–13,0 ct/kWh laut Fraunhofer ISE [Quelle: Fraunhofer ISE / pv magazine]. Gewerbestrom-Annahme ~0,30 €/kWh [unverifiziert – individuell prüfen].
Auf 100 km tanken Sie mit eigenem Solarstrom für rund 2,50 € statt 16,75 € Diesel. Bei einem Fahrzeug mit 30.000 km/Jahr sind das rund 4.270 € weniger – pro Fahrzeug, pro Jahr. Bei einer Flotte von 15 Fahrzeugen reden wir über die Größenordnung eines kompletten Netzausbaus. Jedes Jahr aufs Neue.
Welche Förderung gibt es 2026 für Depot-Ladeinfrastruktur?
Für E-Lkw-Ladeinfrastruktur gibt es ein Bundesprogramm mit eigenem KMU-Aufruf. Gefördert werden pauschal 500 € (netto) pro kW realisierter Ladeleistung, bei mindestens 50 kW (DC) pro Ladepunkt, für KMU bis maximal 1 Mio. €. Der KMU-Aufruf (Aufruf A) läuft vom 05.06. bis 30.09.2026, die Vergabe erfolgt nach dem Windhundprinzip – wer zuerst einen vollständigen Antrag stellt, kommt zuerst zum Zug. [Quelle: Elektromobilität.NRW – Förderung E-Lkw-Ladeinfrastruktur]
Das heißt für Sie: Eine fertige Planung ist die Voraussetzung, um den Antrag rechtzeitig und vollständig einzureichen. Wer erst plant, wenn das Budget knapp wird, fällt durchs Raster.
Häufige Fragen (FAQ)
Reicht mein Netzanschluss für eine E-Flotte? Für gleichzeitiges Volladen meist nicht – roh ausgelegt reißt schon eine kleine Flotte schnell über die Niederspannungs-Schwelle von 30 kW, ab der der Baukostenzuschuss greift. Mit Lastmanagement und Speicher laden Sie dieselbe Flotte über einen deutlich kleineren Anschluss, weil der reale Gleichzeitigkeitsfaktor weit unter 1 liegt.
Brauche ich zwingend ein Lastmanagement? Praktisch ja. Ohne Laststeuerung müssen Sie nach DIN VDE 0100-722 mit Gleichzeitigkeitsfaktor 1 auslegen – also den teuersten Fall. Erst das Lastmanagement erlaubt es, den Faktor zu reduzieren und den Netzanschluss klein zu halten.
Muss ich morgens trotzdem auf volle Fahrzeuge vertrauen können? Ja – genau dafür ist die Planung da. Lastmanagement streckt die Ladevorgänge über die Standzeit, priorisiert nach Abfahrtszeit und nutzt den Speicher als Puffer. Richtig ausgelegt ist jedes Fahrzeug morgens fahrbereit, ohne dass die Lastspitze durch die Decke geht.
Brauche ich zwingend eine PV-Anlage? Nein, aber sie ist der Hebel zur Rentabilität: Erst eigener Solarstrom senkt die Tankkosten auf rund ein Siebtel des Dieselpreises. Speicher plus Lastmanagement lösen das Netzproblem; PV löst das Kostenproblem.
Wie groß muss der Speicher sein? Das hängt von der Lücke zwischen Anschlussleistung und Nachtbedarf ab – je kleiner der Anschluss bleiben soll, desto mehr puffert der Speicher. Diese Größe rechnen wir in der Rentabilitäts-Analyse exakt für Ihren Fuhrpark und Ihre Standzeiten durch.
Wann sollte ich mit der Planung starten? Frühzeitig. Die Netzbetreiber-Abstimmung braucht Zeit, belastbare Angebote ebenso – und der KMU-Förderaufruf läuft nur bis 30.09.2026 nach dem Windhundprinzip. Eine fertige Planung ist die Eintrittskarte für die Förderung.
Ihr nächster Schritt
Bevor Sie eine Wallbox kaufen, sollten Sie wissen, wie groß Ihr Netzanschluss wirklich sein muss – und ob sich das Laden am eigenen Hof rechnet. Fischer Stromwerk prüft das für Sie, kostenlos und ohne Verpflichtung. In der Rentabilitäts-Analyse rechnen wir Ihren konkreten Fall durch: Wie viel Anschlussleistung Sie mit Lastmanagement und Speicher einsparen, wie groß der Speicher sein muss, welche Förderung Sie kassieren – und ab wann die Anlage Geld verdient.
Fordern Sie Ihre kostenlose Rentabilitäts-Analyse an. Wir melden uns mit echten Zahlen für Ihren Betrieb.

