Lohnt sich eine Ladesäule? Die Wirtschaftlichkeit ehrlich gerechnet
Ja – aber nicht da, wo die meisten zuerst hinschauen. Für einen Betrieb mit Fahrzeugflotte lohnt sich eine Ladesäule vor allem über die Ersparnis: Laden Sie mit eigenem Solarstrom (4–10 ct/kWh) statt Netzbezug (rund 27 ct/kWh) oder Diesel, amortisiert sich die Säule meist in wenigen Jahren. Öffentliches Laden und THG-Quote kommen on top – sind aber nur so viel wert wie Ihre Auslastung.
Lohnt sich eine Ladesäule überhaupt?
Für Betriebe mit eigener Flotte: fast immer. Für reines öffentliches Geschäftsmodell: nur bei hoher Auslastung an einem frequentierten Standort.
Eine Ladesäule bringt auf drei Wegen Geld ein – in dieser Reihenfolge der Wucht:
- Sie sparen Diesel und teuren Netzstrom, indem Sie die eigene Flotte mit Solarstrom laden (mit Abstand der größte Hebel).
- Sie verdienen an Fremden, die bei Ihnen öffentlich laden – die Marge auf den abgegebenen Strom.
- Sie kassieren die THG-Quote für jede öffentlich abgegebene Kilowattstunde – on top, ohne Mehraufwand.
Der entscheidende Punkt: Schon Hebel 1 macht eine Ladesäule für einen Betrieb mit Flotte wirtschaftlich. Die Hebel 2 und 3 sind Zusatzgeschäft, kein Fundament. Wer es umdreht und allein auf öffentliche Erlöse setzt, rechnet sich oft arm.
Warum ist eigener Solarstrom der entscheidende Hebel?
Weil der Strompreis über alles entscheidet – und der eigene ist um ein Vielfaches günstiger als jeder andere.
Ein E-Transporter verbraucht rund 25 kWh pro 100 km. Was 100 km kosten, hängt allein davon ab, woher der Strom kommt:
| Antrieb / Strom | Strompreis (Quelle) | Energiekosten je 100 km |
|---|---|---|
| Diesel-Transporter | 1,86 €/L, 9 L/100 km (Beispiel) | ca. 16,70 € |
| E-Transporter, Gewerbe-Netzstrom | 27,15 ct/kWh (BDEW, 10.000 kWh/a) [2] | ca. 6,80 € |
| E-Transporter, eigener Solarstrom | 4–10 ct/kWh (Fraunhofer ISE, PV-Dach >30 kWp) [3] | ca. 1,00–2,50 € |
Gegenüber Diesel sparen Sie an der eigenen Ladesäule mit Solarstrom rund 15 € pro 100 km (Beispiel, Stand Juni 2026). Bei 30.000 km Jahresfahrleistung sind das grob 4.000 bis 4.500 € pro Fahrzeug und Jahr – die Ladesäule ist hier kein Kostenpunkt, sondern die Maschine, die diese Ersparnis überhaupt erst auszahlt. Wie das für Ihre konkreten Fahrzeuge aussieht, zeigt die Seite Flotte elektrifizieren.
Wann amortisiert sich eine Ladesäule? (Tabelle)
Das hängt von einer einzigen Variable ab, die Sie selbst in der Hand haben: wie viel kWh täglich durch die Säule laufen. Je höher der Absatz, desto schneller ist sie bezahlt – und mit eigenem Solarstrom statt Netzbezug halbiert sich die Amortisationszeit oft.
Beispielrechnung für eine gewerbliche AC-Ladesäule, rund 3.000 € installiert (Hardware + Montage, Spanne nach ADAC [6]; Werte gerundet, ehrlich als Beispiel zu verstehen). Marge = Endkundenpreis öffentliches Laden ~0,52 €/kWh [4] minus Ihr Strompreis. Eigener Solarstrom = 0,08 €/kWh, Netzbezug = 0,27 €/kWh [2][3].
| Absatz | kWh/Jahr | Marge eigener Solarstrom (0,44 €/kWh) | Amortisation Solar | Marge Netzbezug (0,25 €/kWh) | Amortisation Netz |
|---|---|---|---|---|---|
| 10 kWh/Tag (sehr gering) | 3.650 | ~1.600 €/Jahr | ~2 Jahre | ~910 €/Jahr | ~3–4 Jahre |
| 30 kWh/Tag (moderat) | 10.950 | ~4.800 €/Jahr | <1 Jahr | ~2.740 €/Jahr | ~1 Jahr |
| 60 kWh/Tag (gut ausgelastet) | 21.900 | ~9.600 €/Jahr | <1 Jahr | ~5.475 €/Jahr | <1 Jahr |
Hinweis zur Ehrlichkeit (§1): Die Tabelle rechnet den reinen Ladeumsatz der Säule. Bei eigener Flotte ersetzt die Ersparnis (siehe oben) den Endkundenpreis – dann zählt nicht die Marge, sondern die vermiedene Diesel-/Netzrechnung, und die Säule ist meist noch schneller bezahlt. Die Werte gelten für eine AC-Säule; DC-Schnelllader kosten ein Vielfaches in der Anschaffung und brauchen entsprechend mehr Absatz. Auslastung ist die Variable, nicht das Versprechen.
Was bringt öffentliches Laden wirklich?
Marge auf fremden Strom – aber nur, wenn jemand lädt.
Stellen Sie Ihre Ladesäule öffentlich bereit, zahlen Fremde unterwegs selten unter rund 0,50 €/kWh; an Autobahnen sind es ad-hoc schnell 0,52 bis 0,84 €/kWh [4]. Liegt Ihr eigener Solarstrom bei 4–10 ct/kWh Gestehung [3], bleibt eine deutliche Spanne als Erlös.
Aber: Öffentliche Ladepunkte in Deutschland waren 2025 im Schnitt nur zu rund 12 Prozent gleichzeitig belegt (BDEW) [1][5] – bei einem Bestand von über 200.830 Ladepunkten zum 1.1.2026 [1]. Eine Säule, die kaum jemand nutzt, verdient kaum etwas. Öffentliches Laden lohnt sich dort, wo ohnehin Frequenz ist: Kundenparkplatz, befahrene Lage, Mitarbeiter- und Besucherverkehr. Mehr dazu auf Ladeinfrastruktur für Unternehmen.
Was bringt die THG-Quote für Ladesäulen 2026?
Geld für jede öffentlich abgegebene Kilowattstunde – als willkommenes Zusatzgeschäft, nicht als Fundament.
Für öffentlich zugängliche Ladepunkte können Sie die abgegebene Strommenge zertifizieren lassen und als THG-Quote verkaufen. Die genaue Vergütung schwankt jährlich stark und ist marktabhängig [unverifiziert für 2026 – konkreten Satz beim Quotenhändler erfragen]. Behandeln Sie diese Erlöse als Bonus on top, nicht als tragende Säule Ihrer Finanzierung.
Was macht eine Ladesäule am Ende rentabel?
Ob hinter der Säule eigener, billiger Strom steht – und ob die Säule ausgelastet ist.
Ohne eigene PV-Anlage laden Sie mit Netzstrom für 27 ct/kWh [2] – dann schrumpft jede Marge. Mit eigenem Solarstrom (4–10 ct/kWh [3]) und einem Speicher als „Tanker" laden Sie auch abends und nachts günstig. Genau diese Kombination rechnet den Fall durch: Details auf Lohnt sich ein Gewerbespeicher?.
Häufige Fragen (FAQ)
Lohnt sich eine Ladesäule für meinen Betrieb? Wenn Sie eine eigene Flotte haben: fast immer – über die Ersparnis. Mit eigenem Solarstrom statt Diesel sparen Sie rund 15 € je 100 km (Beispiel, Juni 2026), bei 30.000 km/Jahr grob 4.000–4.500 € pro Fahrzeug. Reines öffentliches Geschäft lohnt nur bei hoher Auslastung.
Wie schnell ist eine Ladesäule bezahlt? Das hängt am Absatz. Eine AC-Säule für rund 3.000 € amortisiert sich schon bei moderaten 30 kWh/Tag mit eigenem Solarstrom in unter einem Jahr – bei sehr geringem Absatz (10 kWh/Tag) in etwa zwei Jahren. Eine Faustregel ohne Ihre Zahlen wäre unseriös.
Brauche ich eine PV-Anlage, damit sich die Ladesäule lohnt? Für maximale Rentabilität ja. Eigener Solarstrom (4–10 ct/kWh [3]) statt Netzstrom (27 ct/kWh [2]) vervielfacht Ihre Ersparnis und Marge – das ist der größte einzelne Hebel.
Lohnt sich eine öffentliche Ladesäule rein als Geschäftsmodell? Nur bei hoher Auslastung an einem frequentierten Standort. Im Bundesschnitt waren öffentliche Ladepunkte 2025 nur zu rund 12 Prozent gleichzeitig belegt (BDEW) [1][5] – ohne Frequenz bleibt der Erlös klein.
Was kostet eine Ladesäule in der Anschaffung? Eine gewerbliche AC-Ladesäule inkl. Installation liegt grob im niedrigen vierstelligen Bereich (Spanne nach ADAC [6]); DC-Schnelllader kosten ein Vielfaches. Den belastbaren Wert für Ihren Standort liefert die Rentabilitäts-Analyse.
Rechnet sich das auch mit Netzstrom statt Solar? Ja, aber langsamer. Mit Netzbezug bleibt bei moderatem Absatz noch eine vierstellige Jahresmarge – die Amortisation dauert nur entsprechend länger (siehe Tabelle). Solarstrom halbiert sie.
Ihr nächster Schritt
Ob und wie schnell sich eine Ladesäule für Sie rechnet, entscheidet Ihr konkreter Fall: Wie viele Fahrzeuge, wie viele Kilometer, wie viel eigener Solarstrom, welcher Standort, welcher Absatz. Fischer Stromwerk (ELMI Power Fachpartner aus Ostwestfalen-Lippe, Delbrück/Paderborn) baut derzeit selbst eine 130-kWp-Anlage mit Speicher- und Ladesystem auf dem eigenen Hof – und begleitet den Aufbau aus erster Hand.
In der kostenlosen Rentabilitäts-Analyse rechnen wir Ihren Fall durch: Was sparen Sie beim Laden Ihrer Flotte, was bringt öffentliches Laden an Ihrem Standort, welche Förderung Sie mitnehmen – konkret in Euro, ehrlich auch dann, wenn sich etwas (noch) nicht lohnt.
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